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Winona

Fast würdiger Abschluss

Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch. Vor meinem Computer. Das hier ist somit der erste Beitrag, der an meinem Schreibtisch entstanden ist. Übrigens ebenfalls eine Premiere, weil ich zum ersten Mal auf meinem Computer schreibe. Obwohl ich ganz gut mit der Tastatur von meinem Smartphone klarkomme, hat das Tippen am Laptop einen ganz anderen Charakter. Weiss auch nicht so recht. Irgend fühl ich mich… professioneller? Ich empfinde es auf jeden Fall ziemlich cool, endlich am PC meinen Post verfassen zu können und dabei auf eine echte Tastatur zu hämmern. Zumindest würde ich das jetzt, nach diesen wenigen Sätzen, noch behaupten. Wer weiss, wie schnell sich das ändern kann 🙂. 

Dann fällt mir aber auch auf, dass ich schon wieder vom eigentlichen Thema für heute abgekommen bin, eigentlich noch gar nie dabei war. Typisch Winona…

Der Beitrag von heute befasst sich mit meinen Gedanken, die sich während meiner Zeit bei meinen Grosseltern oder danach in meinem Gehirn festgefressen haben und jetzt einen Weg nach draussen suchen. Ich möchte dem ganzen Thema einfach irgendwie noch einen Abschluss gönnen. Danach werden hier im Blog andere Themen den Schwerpunkt bilden. Logisch, ich wohne auch wieder daheim. 

Ich fand die Zeit oben im Norden wirklich toll. Ich durfte viel lernen und habe viel erfahren. Ich bin eigenständiger geworden. Ich habe gelernt, dass es gut ist, für seine eigene Meinung einzustehen und anderen aufzuzeigen, wieso sie falsch liegen. Einfach gesagt, scheue ich vor Diskussionen weniger, als zuvor. Ich habe mit dem Häkeln begonnen und endlich geschafft, mein Notizbuch so zu organisieren, wie ich schon lange wollte.

Gleichzeitig vermute ich, dass auch mein Umfeld von mir gelernt hat. Ich hoffe es zumindest stark. Ich glaube, ein bisschen Jugendlichkeit tut jedem gut. Mit einer Jugendlichen im Haus wird der Geist definitiv jünger und der Alltag ein bisschen abwechslungsreicher. Ich kann da jedoch nur Thesen aufstellen, mit ihnen darüber geredet, habe ich nicht. Ihr Verhalten liess mich aber auf dieses Fazit schliessen. 

Unzählige Bücher wurden von mir gelesen. Dabei waren welche, die ich gerne ein zweites Mal gelesen hätte, die von mir nach der Hälfte für doof erklärt und nie beendet worden sind, die mir etwas fürs Leben mitgegeben haben oder die einfach nur kitschig und unglaublich schön waren. Ich fands gut, endlich mal wieder so viel Zeit fürs Lesen übrig zu haben. Früher habe ich nämlich richtig viel gelesen, aber mit den letzten Jahren hatte ich irgendwann nur noch Schullektüre auf dem Nachttisch liegen. Jetzt habe ich mir fest vorgenommen öfter am Abend vor dem Schlafen meine Nase in ein Buch zu halten und nicht auf den Bildschirm zu glotzen. 

Der Hauptgrund für meine “Auszeit” waren hauptsächlich meine Grosseltern. Dadurch, dass wir um die 750 Kilometer entfernt voneinander leben, sehen wir uns recht selten, aber so oft wie möglich. Nur ist es recht schwer, die Oma mal schnell zum Kinderhüten einzusetzen. Dies fehlte früher sehr. Wir hatten aber super Nachbarn, die perfekte Ersatzomas und Opas gespielt haben. Irgendwie ist es aber doch nicht das Gleiche. Da ich definitiv noch Oma und Opa Zeit nachzuholen hatte und man nie zu viel Zeit mit der Familie geniessen kann, musste ich es einfach tun. Klar, Gegebenheiten wie die freie Zeit mussten auch vorhanden sein, waren es in meinem Fall glücklicherweise auch. 

Ich muss noch einmal klarstellen, dass ich es auf keinen Fall bereue, diesen Schritt gewagt zu haben. Auch wenn es viele nicht verstehen können, wieso ich das alles trotz Corona durchgezogen habe. Immer wieder wurde ich gefragt, ob es nicht langweilig sei, weil ich nichts unternehmen könne. Doch, klar ist es teilweise sehr langweilig gewesen. Diese Langeweile habe ich dann mit vielen Dingen gefüllt, die ich sonst nicht getan hätte. Handarbeit und Lesen, nur um einmal zwei von den vielen Aktivitäten zu nennen. Es war also eine sehr positive Langeweile. Und ganz ehrlich, wäre es nicht zu Hause auch langweilig gewesen? Auch in der Schweiz war alles dicht und ich muss das Virus ja nicht unnötig herausfordern. Mir reichen die vielen Erfahrungsberichte von Bekannten, um mir ein Bild davon zu machen. Einen Selbstversuch halte ich für überflüssig 😉. 

Auch ich hatte Phasen, in denen ich an meinem Plan zweifelte. Es kann ja nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Auch bei mir (leider) nicht… Ich habe meine Freunde, meine Familie und unsere Tiere schrecklich vermisst. Ich glaube, dass ist aber auch völlig normal. Es war ja schliesslich das erste Mal, an dem ich so lange von allem getrennt war. Ebenso hatte ich ab und zu schon Sehnsucht nach den Dingen, die ich so gewohnt bin. Wie auf Youtube Videos zu schauen, was dort aufgrund meines Datenvolumens nicht möglich war, oder die Möglichkeit im TV das ganze Programm der letzten Woche anschauen zu können und nicht nur alles live. Witzig, wie man sich an diese Sachen gewöhnt. 

Als Fazit kann ich definitiv festhalten, dass mich diese Erfahrung weitergebracht hat. Also irgendwie habe ich das Gefühl, ich sei menschlich vorangekommen. Ist noch schwer zu beschreiben 🙃. Zumindest fühle ich mich so, was meist allein schon hilft. Es kann aber auch blosse Einbildung sein. Ich war zwar nicht ein Jahr lang allein irgendwo in Australien und hatte noch einen Anker (meine Grosseltern ect.), der mich festhielt. Ich glaube auch, dies war sehr gut so. Ohne jeglicher Unterstützung wäre ich vermutlich total überfordert gewesen. Jetzt wäre ich dazu schon eher bereit. Aber trotzdem ist es eher unwahrscheinlich. Ich werde wohl nicht in naher Zukunft so etwas anpacken. Jetzt steht erstmal anderes auf dem Plan. Ich habe mir schliesslich viel vorgenommen, wie du hier nachlesen kannst.

Zum Ende kann ich nur noch festhalten, dass mir das Tippen am Computer unterdessen sogar noch besser gefällt, als zu Beginn. Könnte daran liegen, weil jeder Tastaturanschlag so ein Klick-Geräusch macht und man eher das Gefühl hat, viel zu leisten. Oder das Handy war halt doch bisschen mühsamer, als Frau sich eingestehen wollte, hat aber auch super seinen Dienst getan. Mir gefällt beides. Nur wenn man am Laptop schreibt, haben nicht alle anderen das Gefühl, man sei ein Handyjunkie. Ausserdem kann ich am Computer schneller zum Duden oder Synonymwörterbuch switchen und werde nicht von eintrudelnden Nachrichten abgelenkt. Na gut, ich bleibe wohl doch vorerst beim PC 🙂.

Mir solls recht sein

Winona

Ps. Grund für die kleine Verspätung von diesem Post waren technische Probleme. Die mich dezent genervt haben, jetzt aber irgendwie plötzlich nicht mehr vorhanden sind…

5 Antworten auf „Fast würdiger Abschluss“

Also…. ICH liebe dieses Klickgeräusch beim Tippen mit dem Laptop auch.
Wie alt sind Deine Großeltern? Habt Ihr auch in Erinnerungen geschwelgt?

Ich fand es eine gute Idee. Du hattest Urlaub von Deinem normalen Leben. Und Deine Erfahrungen fand ich interessant. Es war ein wenig back to the basics.

Die sind zwischen 80 und 90 Jahre alt. & ja, ich hab viele Geschichten von ihrer Kindheit hören dürfen und wir haben zusammen viele Erlebnisse früherer gemeinsamer Zeiten wieder aufleben lassen😊
Es freut mich sehr zu hören, dass es dich interessiert hat. Hoffentlich gefallen dir dann auch die zukünftigen Posts😉

Mir gefällt es mit dem Laptop auch besser – mit 10 Finger blind bin ich schneller.
Es war evtl. Gerade wg. Corona schön Zeit mit deinen Großeltern zu verbringen. Man weiß ja nie was die Zukunft bringt 🤔

Dieses 10 Finger Dingsbums ist nichts für mich… Ich sollte das mal in der Schule lernen und dann sind wir aber zum Glück umgezogen. Ich habe jetzt eine ausgeklügelte “vierfingeradlerkreisflug-Taktik” , die bringt mich auch zügig ans Ziel.😂
Ich glaube übrigens auch, dass genau wegen dem bösen C die Zeit mit ihnen so schön war. Es war nämlich viel intensiver, weil es viel weniger Ablenkung gab.

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